ARCHITEKTUR
Teehaus in Karlsruhe (2018)




Gewünscht war ein traditionell japanisches Teehaus mit einem Sechs-Tatami-Teeraum, einer obligatorischen Küche und einem Vorraum, der gegebenenfalls als Teeraumerweiterung bzw. Zuschauerraum benutzt werden kann. So umfasst die Nutzfläche ca. 35 qm.





Um das Ideal des japanischen Teehauses, eine „einfache Hütte im tiefen Berg“, zu verwirklichen, wurden die Wände innen wie außen mit Lehm verputzt und das Dach mit Holzschindeln gedeckt. Das Haus ist ausschließlich von deutschen Handwerkern und bis auf Tatamis ausschließlich mit hiesigen Baumaterialien errichtet worden.






Das Teehaus befindet sich am Rande des japanischen Gartens im Karlsruher Stadtgarten. Der Bauherr war die Stadt Karlsruhe, jedoch auf Initiative der deutsch- japanischen Gesellschaft Karlsruhe und deren Vorsitzende, eine japanische Teemeisterin.


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Gedanken zu Entwurf und Bau

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Teezeremonie und zwei Typen des Teehauses
Ein japanisches Teehaus ist der Ort für eine besondere Zusammenkunft zum Teetrinken, die Teezeremonie, eine japanische spirituelle Handlungskunst. Architektonisch gesehen ist ein Teehaus ein eigenständiger Gebäudetyp, obwohl es oft auch nur als ein Raum in einem Haus zu finden ist oder an ein Gebäude angebaut ist. Es gibt zwei Arten an Teehäusern, Shoin und Soan, je nach der darin stattfindenden Teezeremonie. Shoin-Teehäuser haben ihren Ursprung im Studierzimmer buddhistischer Mönche. Diese Art Teeraum wurde von Samurais, der japanischen Kriegerkaste, und betuchten Kaufleuten gerne adaptiert. Deren Zeremonien waren mit vielen Teilnehmern prächtig und formal. Der Raum vermittelte dementsprechend Gehobenheit. Ab dem späten 15.Jh. bemühten sich einige Teemeister, angeregt vom Zen-Buddhismus, den spirituellen Charakter der Teezusammenkunft hervorzuheben. Sie reduzierten die Größe des Raumes, wohl um die gedankliche Konzentration der Beteiligten zu erhöhen und um sie dabei zu geistiger Freiheit zu führen. Gleichzeitig versuchten sie, den gehobenen Eindruck der Shoin-Teehäuser zu brechen, indem sie alltägliche Materialien zur Gestaltung des Raumes verwendeten. So entwickelten sie kleine Häuschen, die Bauernhütten ähnelten, die Soan-Teehäuser. Eingebettet im mitgestalteten Garten sollten sie wie eine Eremitenhütte in den Bergen wirken, ein bescheidener Ort der Abgeschiedenheit und inneren Sammlung. Dunkelheit im Inneren bewirkt Ruhe, und Enge schafft eine unmittelbare Beziehung zwischen den wenigen Beteiligten der Zeremonie sowie zwischen ihnen und den Tee-Gerätschaften. Solch ein Teehaus hat eine Grundgröße von höchstens vierundeinhalb Tatamis (ca. 2.70m x 2.70m), eine sehr kleinteilige Gestaltung und eine besondere Zugangssituation. Durch eine Öffnung von ca. 70 mal 70 Zentimetern in einer Außenwand sollen die Gäste in den Teeraum regelrecht hineinkriechen - ein Ausdruck ihrer Demut und ihrer Bereitschaft, als Gäste als gleichrangig zu gelten. Danach sitzen sie dem Gastgeber gegenüber. Durch die reduzierte Lichtführung herrscht im Raum Dämmerlicht, so können die Beteiligten alle ihre Sinne sensibilisieren. Eine Teezeremonie in Soan-Teehäusern soll ein einmaliges und nicht wiederkehrendes synästhetisches Erlebnis für alle Teilnehmer sein.

Ein Teehaus in Deutschland
Ein Teehaus zu bauen, ist für viele japanische Architekten ein Traum. Ein japanisches Teehaus im Ausland wie hier in Deutschland zu errichten, ist jedoch in mancherlei Hinsicht ein gewagtes Unternehmen. Der Teehausbau ist so speziell, fast wie eine Geheimkunst, vor allem deshalb, weil damit so viele traditionelle Regeln und Sitten der Teezeremonie verbunden sind, die berücksichtigt werden müssen. Zum einen bin ich dafür kein ausgewiesener Spezialist. Zum anderen findet man hierzulande manche spezifische Baumaterialien sowie Bautechniken nicht. Ein Teehausbau ist außerdem eher das Schaffen eines subtilen Möbels als das eines Gebäudes. Frühere Teemeister haben ihre Soan-Teehäuser mit einfachen Materialien errichtet. Sie hatten die Hölzer, Bambus und Erden aus der Umgebung sorgfältig ausgesucht, behutsam behandelt und effektvoll eingesetzt. Dieser Haltung wollte ich folgen. Und dann war da die Frage, ob es in Deutschland überhaupt Handwerker gibt, die so eine anspruchsvolle Arbeit leisten können. Die Suche nahm doch längere Zeit in Anspruch. Letztendlich wurde ich fündig für alles, was zum Bau eines traditionellen Teehauses unentbehrlich ist: einheimische Hölzer, darunter viele industriell hergestellte, Lehmmaterialien und Holzschindeln sowie engagierte, versierte Handwerker. So konnte ich mit Zuversicht anfangen zu planen. Aus verschiedenen Gründen entschied ich mich, das Haus äußerlich wie ein Shoin- Teehaus aussehen zu lassen, jedoch mit einem Teeraum, der den Geist eines Soan- Teehauses ausstrahlt.

Gestaltung des Teeraumes
Für meine Intention, Soan-Geist im Shoin-Teehaus zu verwirklichen, waren einige Maßnahmen entscheidend. So wurden die Lehmwände in dunkler, aber edler Farbigkeit ausgeführt, ohne Struktur und sauber geglättet. Die Decke wirkt dunkel, aber die Struktur der feinen Holzlamellen aus Baubuche weist helle Stellen auf, so dass sie als Gesamtfläche lebendig heiter wirkt. Für das Schiebewand-Papier habe ich mich für einen hellen Ton mit etwas glänzenden Flächen entschieden, um die Dunkelheit etwas zu mindern. Die Bereiche des Gastgebers und der Gäste habe ich durch unterschiedliche Deckenhöhen gekennzeichnet. Traditionell bringt der Gastgeber unter einer niedrigeren Decke (Ochitenjo) seine Demut den Gästen gegenüber zum Ausdruck. Maßgeblich entscheidend für die Qualität jedes Teeraumes ist die dämpfende Lichtführung. Auf der Südseite dieses Hauses versperren hohe Bäume und ein hohes Gebäude weitgehend die direkte Sonneneinstrahlung. Zudem schwächen vorgesetzte Holzgitter und Papierschiebewände am Fenster starkes Südlicht. Die Lage des Fensters an der zurückspringenden Bildnische reduziert die Helligkeit weiterhin. Das Fenster im Norden platzierte ich direkt über dem Fußboden, um eher das Reflexionslicht der Kiesfläche des Gartens als das Himmelslicht einzufangen. So gleichmäßig abgedunkelt ist. Mit LED-Lampen in den Fensternischen und der Raum-Nische als indirekte Beleuchtung kann die Lichtatmosphäre innen je nach der Stärke des Tageslichtes reguliert werden. Mit dieser Gestaltung hoffe ich, einen Raum für besondere Erlebnisse geschaffen zu haben und dass alle diese Maßnahmen die von mir gedachte kontemplative Wirkung bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einer Teezeremonie hervorrufen.

Baudaten:
Bauherrin: Stadt Karlsruhe/Gartenbauamt
Nutzerin: Deutsch-Japanische Gesellschaft Karlsruhe
Holzbau: Fa. Drixler, Plankstadt
Lehmputz: Fa. Steinhausen, Pfaffenhofen
Holzschindeldach: Fa. Greiner, Kürnbach


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